WEISSER RING e. V.
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Eine Ausstellung, die wachrüttelt

„Wer will das schon hören?“, dachten sich Studierende, die sich mit den Schicksalen von Kriminalitätsopfern beschäftigt hatten. Sie stemmten sich gegen das befürchtete Desinteresse und entwickelten Exponate, die unter die Haut gehen.

Eine Rasierklinge auf blutender Haut. Eine Packung Taschentücher für „Tränen, die nicht trocknen“. Ein Kind mit schmerzverzerrtem Gesicht, in der Herzgegend ein Einschussloch. Klein daneben steht: „Sexueller Missbrauch tötet.“ Das sind nur einige der mehr als 100 unter die Haut gehenden Plakate, Fotos und Werbekampagnen der Ausstellung „Opfer“.

Ziel: Jeder soll ein bisschen genauer hinsehen und Zivilcourage zeigen

Gestaltet von Studierenden der Bauhaus-Universität Weimar, richten sich die Exponate gegen Tabuthemen wie häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch von Kindern und Frauen. Die Ausstellung will auf die alltägliche – oft im Verborgenen – stattfindende Kriminalität aufmerksam machen. Frauen und Männer, auch Jugendliche untereinander, sollen dazu bewegt werden hinzusehen, ihre Umwelt ein wenig sorgfältiger zu betrachten und gegebenenfalls Zivilcourage zu zeigen. 

Die Ausstellung macht deutlich: Wer schweigt, macht sich mitschuldig. Sie geht an Grenzen – um der Opfer von Verbrechen und Gewalt willen. Sie drückt aus, was die Opfer erdulden müssen. Sie konfrontiert uns mit dem Leid der Opfer, die oftmals schweigen – aus Angst, Scham und Hilflosigkeit. Aber auch, weil sie allein gelassen werden. 

„Eine wichtige Ausstellung mit Bildern, die zu Herzen gehen. Das wirkliche Leid ist unsagbar schlimmer.“

Eintrag im Gästebuch der Ausstellung

Entstanden ist die Ausstellung aus einer herausfordernden Aufgabe: Vor dem Hintergrund, dass uns täglich in den Medien Bilder von hungernden Kindern, von Unfall- und Katastrophenopfern begegnen und uns abstumpfen – wie lässt sich der Blick öffnen für Leid in der unmittelbaren Nachbarschaft? Wie lässt sich die Abstumpfung überwinden? Diese Aufgabe stellte der WEISSE RING Studierenden des Bereichs Gestaltung/Visuelle Kommunikation der Bauhaus Universität Weimar im Sommersemester 2003. 40 Studierende meldeten sich für das Projekt, 16 wurden ausgewählt. Selbst in diesem Kreis wurde der Zweifel laut: „Wer will das schon hören?“

Unter der Leitung von Prof. Werner Holzwarth und Peter Gamper und mit Unterstützung mehrerer ehrenamtlicher Mitarbeiter des WEISSEN RINGS setzten sich die Projektteilnehmer mit den Schicksalen von Opfern auseinander. Sie führten Gespräche mit Kriminalkommissarinnen, mit Vertreterinnen der Kinderschutzdienste und mit Gleichstellungsbeauftragten. Sie beschäftigten sich mit der Hilflosigkeit, mit dem Gefühl der Ohnmacht und den Ängsten, denen Kriminalitätsopfer ausgesetzt sind. Die Erkenntnisse der Recherche setzten sie schließlich kreativ um.

Ausstellung on tour seit 2004

Entstanden ist eine Vielzahl von Arbeiten mit junger Handschrift, die aufrütteln und zum Nachdenken anregen, die zum Teil auch provozieren. Eine erste Präsentation am Ende des Semesters, an der neben etlichen Vertretern des WEISSEN RINGS auch der Leiter der Koordinierungsstelle Gewaltprävention im Innenministerium, Psychologen aus Jugendstrafanstalten, Mitarbeiterinnen der Kinderschutzdienste und der Polizei teilnahmen, beeindruckte die Teilnehmer. Im März 2004 wurde die Ausstellung in Erfurt erstmals öffentlich gezeigt und wandert seitdem durch das Bundesgebiet. Stationen waren etwa der Evangelische Kirchentag in Hannover und das Bundesministerium der Justiz in Berlin. Bislang haben weit mehr als 90.000 Menschen die Ausstellung gesehen.

Sowohl bei den Besuchern als auch bei den Medien findet die Exposition außergewöhnlich lebhafte Resonanz. Auch viele Betroffene schauen die Ausstellung an. Das zeigen Einträge im Gästebuch wie der folgende: „Vielleicht klingt es ungewöhnlich, wenn ich sage, ich freue mich über diese Ausstellung. Ich freue mich, weil hier ein Thema öffentlich gemacht wird, das gerne unter den Teppich gekehrt wird. Ich bin selbst eine Betroffene und auf die Hilfe des WEISSEN RINGS angewiesen. Ich danke den Organisatoren der Ausstellung.“

Ansprechpartnerin Ausstellung Opfer

Eva-Maria Kockelmann

Ansprechpartnerin für Ausstellung Opfer, Info- und Werbematerialien, Standausstattung, Veranstaltungen

E-Mail: kockelmann.eva-maria@weisser-ring.de
Telefon: 06131 83 03-39

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