"Auf meinem Telefon wurde die 110 angezeigt. Nie hätte ich gedacht, dass man das manipulieren kann."
Horst M., 63
„In Ihrer Nachbarschaft gab es am Wochenende mehrere Einbrüche einer Bande. Um sich zu schützen, sollten Sie besser kein Bargeld zu Hause haben“, sagte der Polizist in nüchternem Ton zu Olga Z. Die 68-Jährige bekam sofort Angst. Der Polizist meldete sich kurze Zeit später erneut: „Die Verbrecherbande hat jetzt auch in Ihrer Straße zugeschlagen. Zu Ihrer eigenen Sicherheit sollten Sie alle Wertsachen in einen Koffer packen und an einen Kurier übergeben, der gleich vorbeikommt.“ Mehrmals hintereinander bedrängte sie der falsche Polizist am Telefon. Mit weichen Knien folgte Olga Z. schließlich seiner Anweisung. Kurz darauf übergab sie den Koffer an einen Kurier. Und sah ihre Sachen nie wieder. Sie wurde arglistig getäuscht.
Foto Titel: iStock
Um an die Ersparnisse, Bargeld und an die Wertsachen älterer Menschen zu kommen, sind die Telefonbetrüger sehr erfinderisch. Gezielt rufen sie z.B. zu unmöglichen Tageszeiten an – ganz früh oder sehr spät – und nutzen es aus, dass ihr Opfer unausgeschlafen, müde oder noch nicht ganz fit ist. Außerdem erzeugen die Täter gleich zu Gesprächsbeginn eine Vertrautheit, die nur vorgespielt ist. Oder sie umgarnen den Angerufenen mit aufgesetzter Freundlichkeit.
Die Betrüger wissen genau, wie sie am besten vorgehen, um ihr Ziel zu erreichen. Mit raffiniert gestellten Fragen versuchen sie, so viele Informationen wie möglich über ihr Opfer zu bekommen. Sie erkundigen sich zum Beispiel danach, ob es allein zu Hause ist, ob der Partner anwesend ist oder ob es Bargeld daheim hat. Neben dem gezielten Ausfragen wird auch auf Zeit gespielt und so das Opfer mürbe gemacht. Manchmal halten sie ihr Opfer so lange in der Leitung, bis es einwilligt, zur Bank zu gehen und Geld sowie Wertgegenstände an die Täter zu übergeben.
Sollte ein Opfer misstrauisch reagieren, z.B. bei einem Anruf eines falschen Polizisten, dann bekamen Betroffene auch zu hören, sie behinderten eine polizeiliche Aktion oder sie seien zur Mithilfe verpflichtet. Hier hilft nur eins: sich nicht unter Druck setzen lassen und einfach auflegen
Die Täter hatten wohl geglaubt, dass sie leichte Beute sind. Allein wegen ihres vorangeschrittenen Alters. Vermutlich hatten sie in Telefonverzeichnissen nach Vornamen gesucht, die vor Jahren aus der Mode gekommen sind, dabei waren sie auf Hildegard Möller, 80 Jahre alt, und ihren 75-jährigen Ehemann Ingo gestoßen. Dann hatten die Betrüger ihre Maschinerie angeworfen, ein vermeintlich ausgefeiltes Muster angewendet, dem ältere Menschen immer wieder zum Opfer fallen. Doch am Ende der Geschichte sollten Handschellen klicken. Und falsche Polizisten sich die falschen Opfer ausgesucht haben....
Der WEISSE RING bietet in Zusammenarbeit mit dem Landespräventionsrat des Landes Nordrhein-Westfalen vorliegende Informationsbroschüre und Tippkarten an.
Die wichtigsten Tipps gegen Telefonbetrüger sind als Tippkarten verlinkt. Legen Sie diese Tippkarten am besten neben Ihr Telefon. So haben Sie diese immer in Sichtweite und wissen, wie Sie bei unerwünschten Anrufen reagieren sollten.
Telefonbetrug ist ein ernsthaftes Problem. 2021 wurden in Deutschland 793.622 Fälle von Betrug angezeigt (2020: 808.074; 2019: 832.966). Darunter fällt auch der Betrug am Telefon, der einen erheblichen finanziellen Schaden verursacht. Die Betrüger nutzen alle Tricks, um ihr Gegenüber am anderen Ende der Leitung zu täuschen. Besonders ältere Menschen werden im wahrsten Sinne des Wortes übers Ohr gehauen. Und dabei um ihr Erspartes, um ihre Wertsachen und auch um ihr Vertrauen gebracht. Sprechen Sie in der Familie, mit Freunden und Bekannten und auch in der Nachbarschaft über dieses Problem, denn Wissen ist der beste Schutz.
Betrügern gehen sehr geschickt vor. Dieser Info-Film zeigt, wie Kriminelle als falsche Polizisten verkleidet Ängste ausnutzen, gibt Tipps wie worauf man achten sollte und bietet Opfern Hilfe.
Wir helfen Betroffenen, aus ihrer misslichen Lage herauszukommen, und unterstützen sie und ihre Angehörigen in dieser Ausnahmesituation. Materielle Verluste sind meistens nicht die schwerwiegendsten Folgen. Vielmehr leiden Opfer unter physischen, psychischen und sozialen Beeinträchtigungen, die tiefergehende Einschnitte verursachen. Betroffene zweifeln an sich selbst, empfinden Scham und erleiden einen massiven Vertrauensverlust gegenüber den Mitmenschen und der Gesellschaft.