WEISSER RING e. V.
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Opfer-Telefon des WEISSEN RINGS verzeichnet Anstieg für das Jahr 2016

25.01.2017

Rund 14.100 geführte Gespräche verzeichnet das Opfer-Telefon des WEISSEN RINGS, Deutschlands größter Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität, im Jahr 2016. Dies entspricht durchschnittlich 2.232 Gesprächsminuten pro Woche oder 319 Gesprächsminuten pro Tag.

Umgerechnet haben die ehrenamtlichen, professionell ausgebildeten Opfer-Telefonberater damit 80 Tage oder elf Wochen durchtelefoniert. Im Jahr 2015 hatten die Mitarbeiter insgesamt knapp 13.900 Gespräche geführt. Der WEISSE RING betreibt das bundesweite und kostenlose Opfer-Telefon mit der Rufnummer 116 006 im Auftrag der Bundesnetzagentur.

„Das Opfer-Telefon gibt Hilfesuchenden die Möglichkeit, sich schnell, unkompliziert und anonym Unterstützung zu holen", sagt Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin des WEISSEN RINGS. Dabei gehe es vor allem um menschlichen Beistand. Zu den Aufgaben der aktuell 76 Opfer-Telefonberater gehöre es, zuzuhören und erste Orientierung nach einer Straftat zu geben. „Sie entwickeln zusammen mit den Anrufern Lösungswege, um aus einer Notlage herauszukommen", so Biwer. Dazu zähle beispielsweise, Opfer an Stellen weiterzuvermitteln, bei denen sie dann persönliche Hilfe bekommen – beispielsweise Traumaambulanzen, eine der bundesweit 420 Außenstellen des WEISSEN RINGS oder eine andere Opferhilfeorganisation vor Ort.

Am häufigsten gesprochen wurde am Opfer-Telefon im Jahr 2016 über Sexualdelikte wie Vergewaltigung und sexueller Kindesmissbrauch. Der Anteil dieser Deliktsgruppe an der Gesamtzahl aller geführten Gespräche beträgt 19 Prozent. Es folgt die Gruppe der Eigentums- und Vermögensdelikte wie Wohnungseinbruch, Trickdiebstahl und Betrug mit rund 17 Prozent. An dritter Stelle steht Körperverletzung mit rund 15 Prozent – die Hälfte davon häusliche Gewalt. Ebenfalls stark vertreten ist Nachstellung und Stalking mit rund zwölf Prozent. Gefordert waren die Opfer-Telefonberater auch nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember 2016, als sich unmittelbar betroffene Opfer und traumatisierte Zeugen des Anschlags meldeten und telefonisch beraten wurden.

Die Opfer-Telefonberater sind an allen sieben Wochentagen von 7 bis 22 Uhr im Einsatz. Sie arbeiten in Drei-Stunden-Schichten von zu Hause aus, bis zu drei Berater sind gleichzeitig aktiv. Die Ehrenamtlichen kommen vorwiegend aus dem Rhein-Main- sowie aus dem Ruhrgebiet. Ein Mal im Monat treffen sich die Mitarbeiter in Mainz und Essen für Feedback-, Gesprächs- und Trainings-Einheiten.

„Oft können oder wollen Opfer aus verschiedensten Gründen nicht mit vertrauten Personen reden", sagt Bundesgeschäftsführerin Biwer. Gerade für diese Opfergruppe biete telefonische Hilfe durch die Möglichkeit, anonym zu bleiben, und durch die Neutralität des Beraters eine gute Alternative. „Die Opfer wissen, dass sie Dinge offen zur Sprache bringen können. Und sie schätzen die Sicherheit, dass mit dem Erzählten vertraulich und professionell umgegangen wird", sagt Biwer.