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In den Fängen der "Loverboys"

14.05.2012

© Bernd Wachtmeister / www.pixelio.de

"Loverboys" - ein Begriff, der harmlos klingt, hinter dem sich jedoch eine ernst zu nehmende Gefahr verbirgt: Loverboys sind junge Männer, die gezielt nach minderjährigen Mädchen suchen, sie umgarnen, sie manipulieren, sie gefügig machen - und sie dann zur Prostitution zwingen. Kurz: Sie sind Zuhälter, die Minderjährige auf den Strich schicken.

Loverboys sind Kleinkriminelle, die hoffen, mit den minderjährigen Mädchen das große Geld zu verdienen. Diese Männer heucheln Zuneigung, sehen aber in den Mädchen lediglich Objekte, mit denen sie Geld verdienen wollen. Und so gehen sie vor: Der neue Freund hat Geld, überhäuft das Mädchen mit Geschenken, ist scheinbar liebevoll. Er schenkt dem Mädchen Aufmerksamkeit: Endlich hat jemand ein offenes Ohr für ihre Sorgen. Eine völlig neue Welt eröffnet sich dem heranwachsenden Mädchen: Flirts, Alkohol, Drogen. Schleichend entfremdet der Loverboy sie auf diese Weise ihrer Umgebung. Es ist sein Ziel, dass das Mädchen keine anderen sozialen Kontakte mehr hat als ihn. Parallel dazu finanziert er, bis sie abhängig ist, ihren Drogenkonsum. Dann ist sie nicht nur emotional, sondern auch finanziell abhängig von ihm. Druckmittel, mit dem er sie dann zur Prostitution zwingt. Im Gegensatz zu Holland ist in Deutschland das Phänomen „Loverboy“ leider noch recht unbekannt. Polizei und Behörden werden entsprechend sensibilisiert. Die Initiative  Stop Loverboys.nu  in den Niederlanden und die Elterninitiative EILOD in Deutschland wollen Opfern von Loverboys und deren Eltern helfen. Sie wollen informieren, beraten, präventiv tätig werden und Kontakte zu anderen Betroffenen sowie Hilfsorganisationen vermitteln. Hier erhalten Sie u.a.in Deutschland Hilfe: “Eilod” Elterninitiative für Loverboy Opfer Deutschland c/o Gesundheitsamt - Selbsthilfe-Service-Büro Kölner Str. 180 40227 Düsseldorf Tel.: 0211 - 89 92 244 info@eilod.de Eilod.de-Notfallnummer: 0176 - 56 26 99 71 Tipps für MädchenDein Freund ist kein „richtiger“ Freund, er liebt Dich nicht, wenn: ■ er Dich zu Dingen zwingt, die Du nicht tun willst■ er Dich anlügt■ er Dich schlägt■ er von Dir verlangt Drogen zu nehmen■ Du keinen eigenen Freiraum mehr für Dich hast■ Du keine eigenen Freundinnen mehr haben darfst■ er Dir andere Kontakte verbietet Tue nichts, was Du nicht willst! Höre auf Dein „Bauchgefühl“ (Stell’ Dir die Frage „Was willst Du wirklich?“!)!Nimm’ zu ersten Treffen eine Freundin mit! Informiere Deine Freundinnen, mit wem Du Dich triffst! Erzähle Freundinnen von Situationen, die Dir nicht angenehm sind und die Dir „komisch“ vorkommen!Vertraue Dich Erwachsenen an und erzähle über Deinen Freund! - Außenstehende merken manchmal schneller, wenn etwas „merkwürdig“ ist und gefährlich für Dich werden könnte.Will Dein Freund Dich beschützen und für Dich sorgen, obwohl er keine Arbeit hat, Drogen nimmt und kein „geordnetes“ Leben hat, werde misstrauisch! Er will Dich vermutlich „besitzen“ und in Abhängigkeit halten! Es ist nicht cool Drogen zu nehmen!Es ist nicht cool sich für den Freund zu prostituieren, um Schulden zu tilgen oder eine vermeintlich gemeinsame Zukunft zu finanzieren! Es ist eine Straftat von Deinem Freund, wenn er das von Dir verlangt!Achte auf Dich und auf Deine Gesundheit – es ist Dein Leben! Tipps für ElternSeien Sie wachsam ohne bei jedem neuen Freund Ihrer Tochter zu misstrauisch zu sein!Klären Sie Ihre Tochter über die „Maschen“ und Methoden der Loverboys auf!Fragen Sie nach den Lebensverhältnissen des neuen Freundes!Lernen Sie den neuen Freund kennen, machen Sie sich ein Bild von ihm!Qualifizieren Sie den neuen Freund (zunächst) nicht im Gespräch mit Ihrer Tochter ab, denn dann verschließt sich Ihre Tochter garantiert und erzählt nichts mehr über ihn!Oftmals hat ein „Loverboy“ Erfolg, wenn emotionale Defizite und Zuwendungsbedürfnisse bestehen. Er sucht sich gezielt unsichere, leicht beeinflussbare Mädchen in schwierigen Lebenssituationen aus (z. B. aus zerstrittenen Familien). – Geben Sie Ihrer Tochter Geborgenheit und Zuwendung! Der „Loverboy“ setzt genau dort an, wo Ihre Tochter empfänglich ist! Fehlende Anerkennung ist eine Schwäche!Nehmen Sie die Gefühle Ihrer Tochter ernst! Sie möchte Aufmerksamkeit!Seien Sie misstrauisch, wenn der neue Freund Ihrer Tochter häufig großzügige, Alters unangemessene Geschenke übergibt und über ungewöhnlich viel Geld verfügt!   Versuchen Sie im Gespräch mit Ihrer Tochter den Grund dafür herauszufinden, wenn sie sich verändert! Bleiben Sie im Gespräch mit Ihrer Tochter ohne zu moralisieren!Zögern Sie nicht und lassen Sie sich beraten, wenn:
  • Sie längerfristige psychische Veränderungen bei Ihrer Tochter feststellen
  • Ihre Tochter stundenlang duscht (um sich im übertragenden Sinn „den Schmutz der Vergewaltigung abzuwaschen“)
  • Ihre Tochter mehrere Handys hat und sie ständig angerufen (kontrolliert!) wird, auch in der Nacht
  • Sie keinen Zugang mehr zu Ihrer Tochter haben
  • sie sich ständig in ihrem Zimmer einschließt
  • sie bei warmen Wetter keine kurzärmelige Kleidung mehr trägt (um die sichtbaren Zeichen der Misshandlung zu verdecken)
  • sie sich regelmäßig vor dem Sportunterricht drückt, um keine Sportkleidung zu tragen, bei der die Misshandlungen zu erkennen wären
Jedes Anzeichen für sich genommen bedeutet noch kein Hinweis, dass Ihre Tochter von einem „Loverboy“ abhängig ist, aber sollten mehrere Punkte zusammenkommen, reagieren Sie! Holen Sie sich Hilfe.