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„Dadurch, dass Mimik und Körpersprache fehlen, setzt die Arbeit am Opfer-Telefon eine besondere Sensibilität voraus."

Hajo Moerler, Berater am Opfer-Telefon

Was ist die größte Herausforderung bei der Arbeit am Opfer-Telefon?

Dadurch, dass Mimik und Körpersprache fehlen, setzt die Arbeit am Opfer-Telefon eine besondere Sensibilität voraus. Das verlangt dem Berater eine hohe Konzentration ab. Das kann man nicht so nebenher machen. Man muss richtig zuhören, sich auf das Gespräch einlassen und versuchen, es in eine konstruktive Richtung zu lenken. Die Anonymität des Anrufers ist dabei oft ein Vorteil, weil man sich auf das Wesentliche konzentriert: Die Stimme und das gesprochene Wort.

Welche Schwierigkeiten gibt es dabei?

Es ist eine Herausforderung Menschen in einem telefonischen Beratungsgespräch, die emotional belastet sind – vielleicht weinen oder sogar panisch sind– wieder auf eine konstruktive Ebene zurückzuholen. Meine Ausbildung als Polizist hilft mir dabei -  und vielleicht auch mein persönliches Talent. Ich habe, so wird mir gesagt, eine sehr beruhigende, angenehm tiefe Stimme.

Sie hören so viel Schlimmes. Wie geht man damit um?

Man ist ja selbst Mensch und muss das Gehörte bewältigen. Wir haben eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben. Wir reden also mit niemandem über die Fälle. Uns Beratern steht eine regelmäßige Supervision zur Verfügung in der wir über Fälle sprechen können, die uns belasten. Aber man braucht einen emotionalen Ausgleich. Ein stabiles Umfeld ist für Opferhelfer das A und O. Ohne einen Anker zum Beispiel durch Familie, Freunde, Hobbys, den Glauben oder einen Beruf, könnten wir als Helfer kaum bestehen.

Was macht für Sie das Opfer-Telefon aus?

Die konkrete Hilfe ist das, was mir am Opfer-Telefon so gefällt. Der Anrufer kann sich alles von der Seele reden und wir vermitteln je nach Bedarf Ansprechpartner des WEISSEN RINGS vor Ort, zeigen mögliche Optionen und nächste Schritte auf.