Wenn alle den Täter jagen, wer bleibt dann beim Opfer?
Unter diesem Motto haben 17 engagierte Frauen und Männer, darunter auch der bekannte Fernsehmoderator Eduard Zimmermann, am 24. September 1976 den WEISSEN RING gegründet. Seitdem hat unser Verein Hunderttausende Betroffene von Kriminalität durch für sie schwierige Zeiten gelotst, Missstände im Opferschutz offengelegt, politische Verbesserungen für Kriminalitätsopfer erreicht und mit Präventionsaktivitäten unzählige Straftaten verhindert.
Kampagne zum Jubiläum: Individuelle Hilfen im Fokus
Den WEISSEN RING e.V. machen seine individuellen Hilfsmöglichkeiten aus, die getragen werden vom ehrenamtlichen Engagement seiner freiwilligen Helferinnen und Helfer. Diese durchlaufen eine professionelle Ausbildung, kontinuierliche Fortbildung und setzen um, was den Verein ausmacht: Es gibt keine Leistungskataloge an Hilfen, keine Pauschallösungen für Straftaten.
Jede Opfererfahrung wird individuell erfahren. Jeder geht mit dem, was erlebt wurde, individuell um. Es gibt kein mehr-Opfer-sein oder weniger-Opfer-sein, weil jede Person ihr eigenes Empfinden und Hilfsbedürfnis hat. So können auch Hilfen nur begrenzt hilfreich sein. Die ehrenamtlichen Opferhelferinnen und -helfer verstehen sich als Lotsen, als Stütze und Beratende, die sich innerhalb des Hilfesystems auskennen. Gemeinsam mit den Betroffenen eruieren sie mögliche Wege und individuelle Hilfen.
Und so trägt der Kampagnen-Claim zum 50-jährigen Vereinsbestehen diesem Umstand Rechnung.
Jedes Opfer hat seine Geschichte. Wir sehen sie.
Bilder der Kampagne
Eigene Opfererfahrung
Neben den Ehrenamtlichen des Vereins ist auch Collien Monica Fernandes Gesicht der Kampagne. Sie ist selbst Opfer einer Straftat geworden, hat digitale Gewalt erlebt und mehr noch: Sie hat erleben müssen, wie schwer es ist, mit dieser Opfererfahrung ernst genommen zu werden und wie man als Opfer in (Social) Media erneut zum Opfer wird. Diese zweite Viktimisierung ist neben der eigentlichen Tat oft genau das, wovor sich Betroffene fürchten. Oftmals bringen Betroffene deshalb den Mut nicht auf, sich professionelle Hilfe zu suchen.
Collien möchte Mut machen, darüber sprechen und nicht schweigen. Denn Schweigen hilft nur dem Täter / der Täterin. Und sie möchte unterstützen, den Weg für Betroffene leichter machen: Ohne Angst vor einer zweiten Opferwerdung durch Ämter, Behörden, Medien oder soziale Medien.
Hier: Social Media Reel / Interview mit Collien
50 Jahre wären ohne Unterstützende nicht möglich
Anlässlich des runden Jubiläums in diesem Jahr möchten wir auf die bewegte Geschichte unseres spendenfinanzierten Vereins zurückblicken. Denn eins ist in der 50-jährigen Vereinsgeschichte gesetzt: Ohne das großartige freiwillige Engagement unserer 3000 ehrenamtlichen Opferhelferinnen und Opferhelfer in rund 400 Außenstellen sowie die eindrucksvolle Unterstützung unserer Förderer und Spender wäre die Entwicklung unseres gemeinnützigen Vereins zur größten bundesweit tätigen Opferhilfsorganisation nicht möglich gewesen.
Hier: Karussell mit Zahlen aus WR-Magazin
Immer im Einsatz für Kriminalitätsopfer
Dem ehrenamtlichen Einsatz unserer Freiwilligen auch am Opfer-Telefon und in der Onlineberatung ist es zu verdanken, dass der Verein jährlich rund XY Betroffenen zur Seite stehen kann. Die Ehrenamtlichen kommen aus verschiedensten Berufen: Sie arbeiten in Krankenhäusern, Kitas oder Schulen, in der Altenpflege, bei der Polizei, in der Justiz, im Handwerk. Und bringen damit individuelle Fähigkeiten und breites Wissen mit, die auf die individuelle Situation der Hilfesuchenden eingehen kann.
In ihrer Freizeit kümmern sich die vielen ehrenamtlich Mitarbeitenden beim WEISSEN RING um die Belange der Betroffenen: Sie hören zu, unterstützen bei Terminen bei Polizei oder Gericht und vermitteln Kontakte wie beispielsweise therapeutische Anlaufstellen. Das Ehrenamt im WEISSEN RING ist in der Tat vielseitig: Neben der klassischen Opferhilfe befassen sich die Freiwilligen in den Bundesländern auch mit Kriminalprävention und zahlreichen öffentlichen Aktionen vor Ort.
Gäbe es die ehrenamtlichen Opferhelferinnen und Opferhelfer nicht, die alle unentgeltlich zu allen denkbaren Zeiten freiwillig arbeiten, gäbe es diese Unterstützung für Kriminalitätsopfer in Deutschland nicht.