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Sei stark, hol dir Hilfe!

Laut polizeilicher Kriminalstatistik liegt der Anteil der männlichen Opfer bei den angezeigten, der Polizei bekannten Straftaten bei 60 Prozent. Außerdem sind laut Statistik knapp 64 Prozent aller von Körperverletzung betroffenen Opfer männlich.

Allerdings nehmen Männer nach einer Straftat erfahrungsgemäß seltener Kontakt zu Hilfsorganisationen auf, da das Thema mit einem Tabu belegt ist. Angst und Scham halten die Betroffenen oft davon ab, sich Hilfe zu holen. Rollenbilder und Vorurteile, dass Männer immer stark sein und sich wehren können müssten, können Gründen hierfür sein. Oft nimmt jedoch das Umfeld den Hilferuf des Mannes auch nicht ernst genug.

Gemeinsam mit Hollywood-Schauspieler Ralf Moeller möchte der WEISSE RING Männer, die Opfer von Gewalt werden, dazu ermutigen sich Hilfe zu holen. „Wer Hilfe sucht, ist kein Schwächling", so Ralf Moeller.

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Interview mit Ralf Moeller

Ralf Moeller macht sich in einer neuen Kampagne des WEISSEN RINGS für das Thema Männer als Gewaltopfer stark. Für ein Videoshooting traf der WEISSE RING Ralf Moeller im Fitnessstudio GYM 80 in Recklinghausen. Hier trainierte der Hollywood-Star, der heute in L.A. lebt, schon in seiner Jugend. Heute geht er zum Trainieren ins GYM 80, wenn er seine Eltern in seiner Heimatstadt besucht.

Ralf, wir sind hier heute in deinem alten Fitnessstudio. Hast du heute schon trainiert?

Moeller: Ja, ich habe heute schon mal ein bisschen was gemacht, so eine dreiviertel Stunde. Aber ich trainiere eigentlich jeden Tag, auch wenn ich unterwegs bin.

Ist es nicht etwas schwierig auf Reisen zu trainieren?

Moeller: Nein, überhaupt nicht. In den Hotels, in denen man absteigt, gibt es heutzutage überall Fitnessstudios, oder Räder oder Laufbänder. Man kann also überall was machen.

Wie häufig bist du noch hier in Recklinghausen?

Moeller: Recklinghausen ist meine Heimat. Meine Eltern leben hier. Sie sind gerade aus der Kurzzeitpflege gekommen. Mein Vater hat sich im Januar einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen. Der Mann ist 88 Jahre alt. Er hat es aber gut überstanden. Ja, und meine Eltern sind heute zurückgekommen. Da musste ich jetzt noch einiges organisieren. Aber für den WEISSEN RING nimmt man sich natürlich die Zeit.

Das freut uns sehr. Du engagierst dich als promiente Person oft sozial. Warum machst du das?

Moeller: Ja, ich bin jetzt seit rund 28 Jahren im Geschäft von Film, Fernsehen und Werbung. Da will man auch etwas zurückgeben. Ich habe mich zum Beispiel bei Dolphin Aid engagiert. Die Organisation ermöglicht Kindern, die in irgendeiner Form behindert sind, eine Delfin-Therapie.

Dann ging es los mit dem Projekt Starke Typen vor circa 11 Jahren. Ein Projekt mit der damaligen Familienministerien Ursula von der Leyen. Da sind wir damals an Hauptschulen gegangen, um Jugendliche und Unternehmer zusammenzubringen. Wir haben die Jugendlichen darauf aufmerksam gemacht, dass nicht jeder Schauspieler oder Fußballer werden kann. Es ist nicht verkehrt, einen vernünftigen Beruf zu ergreifen. Damit hat man immer wieder was im Rücken und kann auf etwas Handfestes zurückgreifen.

Bei Starke Typen haben wir Arbeitgebern gezeigt, dass Hauptschüler was drauf haben. Viele haben dadurch einen Praktikumsplatz bekommen oder eine Lehrstelle. Wir konnten Vorurteile abbauen. Das fand ich richtig gut.

Für die Kampagne des WEISSEN RINGS machst du auf das Thema Gewalt gegen Männer aufmerksam. Hast du selbst in deinem Bekanntenkreis einmal erlebt, dass ein Mann Gewaltopfer geworden ist?

Moeller: Gewalt passiert ja tagtäglich – und oft im öffentlichen Raum wie Haltestellen oder Bahnhöfen. Männer, egal ob jung oder alt, erleben Gewalt und Brutalität. Oft glauben sie und andere auch, dass sie ja starke Kerle sind und sowas einfachwegstecken müssen. Dass sie so eine Gewalterfahrung selbst bewältigen müssen. Das ist aber nicht so.

Warum engagierst du dich für den WEISSEN RING und das Thema?

Moeller: Ich will denjenigen, die Gewalt erlebt haben, Mut machen. Dass sie aus sich rauskommen und sagen: Stopp! Ich bin zwar auch stark und groß, und auch alt genug. Aber ich kann mich nicht immer wehren. Was will man machen, wenn zum Beispiel eine Gruppen von Tätern auf eine Person einschlägt? Viele können oder wollen dann auch nicht mit Gewalt reagieren und zurückschlagen.

Was ist dein Rat an Männer, die Gewalt erlebt haben?

Moeller: Man ist ja geschockt nach so einer Erfahrung. Und dann braucht man jemanden. Meistens kommt es ja auch erst nach ein paar Tagen, nach dem Gewaltakt, das man überlegt und sagt: Verdammt, was ist da überhaupt mit mir passiert? Und das kocht Innen drinnen. Oder man hat Ängste. Dann ist es wichtig, Stellen wie den WEISSEN RING zu kennen, die helfen können. Es ist dann ok zu sagen: Ja, ich brauche Hilfe. Da ist ganz, ganz wichtig. Sonst macht man sich innerlich kaputt. Man muss mit jemanden reden und alles raus lassen.

Was kann man tun, um Gewalt zu verhindern?

Moeller: Gewalt ist leider alltäglich. Wir können sie nicht verhindern. Aber wir können dazu aufrufen, dass wenn wir sie beobachten oder wenn jemand Gewalt erfährt, wenn jemand bedroht wird, dass man Zivilcourage zeigt, raus geht und spricht. Aus diesen Gründen ist der WEISSE RING ja gegründet worden vor über 40 Jahren und das gilt heute noch genauso.

 

Die Folgen einer Gewalttat

Nach einer Gewalttat können sich neben körperlichen Verletzungen – gleich im Anschluss oder auch später – bei den Betroffenen seelische Traumafolgen einstellen. Sie sind übliche Stressreaktionen auf außergewöhnliche Ereignisse.

Dazu können gehören:

  • Sich aufdrängende Bilder von dem, was geschehen ist, oder auch Erinnerungsbruchstücke anderer Art (Geräusche, Gerüche, Körperempfindungen)
  • Gefühlsmäßige Abstumpfung und mangelndes Interesse an dem, was vorher wichtig war
  • Erhöhte Reizbarkeit und Schreckhaftigkeit, Unruhe, Nervosität sowie Angst
  • Schlaf-, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungentörungen, Albträume
  • Herzklopfen oder Magen-Darm-Beschwerden

Hilfe für Gewaltopfer

Als erstes müssen die körperlichen Wunden der Betroffenen medizinisch behandelt werden. Zur Versorgung der seelischen Verletzungen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Sie richten sich nach der individuellen Situation und den örtlichen Gegebenheiten.

Das Sprechen über das Erlebte mit vertrauten Personen oder einem Mitarbeiter einer Hilfsorganisation kann im ersten Schritt helfen. Der WEISSE RING begleitet darüber hinaus zu Terminen bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht und gibt Hilfestellungen im Umgang mit weiteren Behörden oder gewährt kostenfreie Hilfechecks für eine anwaltliche bzw. psychotraumatologische Erstberatung. Das bundesweite Opfer-Telefon 116 006 steht für den Erstkontakt täglich von 7 bis 22 Uhr kostenfrei zur Verfügung.

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