WEISSER RING e. V.
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Jeder Würfel zählt!

Immer wieder lassen sich Spenderinnen und Spender kreative Aktionen und Wege einfallen, um Spenden zu sammeln. Damit unterstützen sie nicht nur die Menschen, die Kriminalität erfahren haben und sich an den WEISSEN RING wenden sondern machen auch darüber hinaus aufmerksam auf das Thema Opferhilfe. Jeder kann etwas beitragen. So die Meinung von Sascha und Aggy vom TableTop Network, einer Spielegemeinschaft, die sich zum gemeinsamen basteln und spielen trifft. Sie kreierten das „Tabletop-Network-ReRoll-Weekend“. Dort kann man verpatzte Würfe beim Würfeln für 50 Cent wiederholen. Die Einnahmen durch die zusätzlichen Würfe kamen dem WEISSEN RING zu Gute. Aus 50 Cent pro Wurf ist nun eine Spendensumme von fast 17.000 € gewachsen. Aber von Anfang an. Wir haben Sascha interviewt:

Worum geht es beim Tabletop? Wie funktioniert das Spiel?

Tabletop bedeutet auf Deutsch zunächst einmal nur „Tischoberseite“. Dieser Begriff hat sich durchgesetzt für Strategiespiele, bei denen Modelle und Miniaturen auf einer bestimmten Spielfläche (im Prinzip also quasi auf einer Tischplatte) nach festgelegten Regeln gegeneinander antreten. Dabei wird aber in den meisten Spielsystemen kein festes Spielbrett oder Spielraster verwendet, sondern Entfernungen in Zoll oder Zentimetern gemessen und die Modelle dann frei auf den Tisch – man spricht da von einer „Spielplatte“ – bewegt. Diese Spielplatte ist oftmals modellbauerisch ausgestaltet.
Da jede Figur eigene Werte für Bewegung, Abgriff, Verteidigung etc.. hat, könnte man es sehr vereinfachend als Schachspiel auf einer Modelleisenbahnanlage bezeichnen - nur halt ohne die Modellbahn.
Die Spielsysteme sind dabei in allen denkbaren Ären und Genres angesiedelt, von historisch korrekt dargestellten napoleonischen Schlachten bis hin zu Kämpfen in diversen Fantasy-Settings oder Sci-Fi-Umgebungen, von den Kämpfen in Mittelerde bis zu Weltraumschlachten über Tatooine ist dabei alles denk- und umsetzbar.

Das Spielfeld wird liebevoll individuell gebastelt, die Figuren mit Hand bemalt. So entstehend individuelle Szenerien. Wie hier mit Weltraumschiffen. Foto: Privat

Wie organisiert ihr euch?

Tabletop ist ein sehr kommunikatives Spiel, denn man spielt nicht, wie etwa bei Onlinespielen, gegen unbekannte oder imaginäre Gegner, sondern vis-a-vis. Spieler treffen sich in Gruppen, Clubs und Vereinen oder einfach mit Freunden zuhause. Die Anzahl verschiedener Spiele, Spielthemen und –systeme ist dabei recht hoch, selbst wenn es natürlich einige „große“, sehr häufig vertretene Spiele gibt. Aber auch jedes kleinere Spiel hat seine treue Anhänger- und Spielerschaft.
Für jedes Spiel und Genre gibt es Spieler, die es leidenschaftlich spielen und sich zu diesem Zweck regelmäßig treffen. Und diese miteinander in Kontakt zu bringen, das war die Grundidee hinter dem Tabletop-Network.

Wer steckt hinter dem Tabletop-Network? Ihr habt in eurem Netzwerk über 6.000 Spielerinnen und Spieler. Was sind denn das für Leute?

Hinter dem Tabletop-Network stecken meine Frau Aggy und ich. Ich habe es 2012 als Facebook-Gruppe gegründet und administriere es seitdem, und Aggy hat 2015 das Tabletop-Network-ReRoll-Weekend erdacht. Um dem ständigen Wachstum des Networks Rechnung zu tragen, kamen noch Markus, Florian und Kay hinzu, so dass wir nun ein fünfköpfiges Admin- und Moderationsteam für die Facebookgruppe haben.

Die Webseite, das ReRoll-Weekend, das Tabletop-Network-Treffen und alles andere neben der reinen Facebookgruppe organisieren wir alleine, unabhängig und eigenverantwortlich.

Tabletopper an sich kommen zunächst einmal aus sämtlichen Bildungs- und Bevölkerungsschichten, sie verbindet der gemeinsame Spaß am Hobby. Dabei ist „das Hobby“ recht weit gefächert und damit ebenso die Interessen der einzelnen Menschen innerhalb unserer Community: Es gibt diejenigen, die einfach gerne spielen, dann diejenigen, die Miniaturen sammeln, andere wiederum bemalen sie gerne, während wieder andere zwar mit unbemalten Figuren spielen, dafür aber die strategischen Tiefen einzelner Spiele lieben und an Turnieren teilnehmen (oder sie ausrichten).

Wir haben tolle Modellbauer in unserer Mitte, hervorragende Miniaturendesigner, klasse Maler und auch solche, die einfach Spaß daran haben, mit Freunden einmal in fremde Welten abzutauchen. Einfach mal Zeit mit dem Hobby verbringen, den Alltag einmal kurzzeitig ausblenden.

Stratege oder Modellbauer – Das Spiel vereint durch seine Vielfalt mehrere Ansätze. Das schätzen die Spieler so. Foto: Privat

 

"Stay flauschig!

 

Tabletop ist noch nicht so bekannt. Was schätzt du an dieser Art zu spielen?

Tabletop wird (glücklicherweise) immer bekannter, dennoch ist es im Vergleich zum Brettspielsektor natürlich eine Nische. Spiele ohne Spielbrett – für viele Menschen quasi Neuland. Was die Spieler am Tabletop fasziniert, das ist nicht in einem Satz festzustellen, dafür ist das Hobby zu umfassend und komplex. Oft ist der künstlerische Aspekt, die damit verbundene, notwendige innere Ruhe, die zum Bemalen der Miniaturen oder zum Gestalten von Gelände Voraussetzung ist. Man kann sich gerade beim Bemalen der Figuren stets verbessern und neue Ziele setzen. Wir bekommen oft zu hören, dass Menschen das Malen als Oase der Ruhe empfinden und dabei vollkommen abschalten und entspannen können.


Cybermobbing und Hass im Web sind große Themen. Das Tabletop-Network organisiert sich hauptsächlich über Facebook und soziale Medien. Wie erlebt ihr es dort? Solidarität, Unterstützung und Hilfsbereitschaft stehen ihr in eurer Community weit oben. Warum ist euch das wichtig?

Bei der Größe des Networks bleibt es natürlich nicht aus, dass es auch hier ab und an zu Reibereien kommt - aber das ist auch in Ordnung und gewollt. Diskussionen und verschiedene Meinungen sind grundlegend für eine Gesellschaft und auch wichtig, erst recht im Internet. Es ist aber der Natur sozialer Medien und der scheinbaren Anonymität im Netz geschuldet, dass manchmal einigen Nutzern nicht klar zu sein scheint, dass ihr Gegenüber ebenfalls ein Mensch ist und dass grundlegende Benimmregeln auch online gelten. In den meisten Fällen reicht dann eine Verwarnung aus, aber wir behalten uns natürlich auch das Recht vor, im Sinne eines respektvollen Miteinanders Leute unserer Gruppe zu verweisen.

Im täglichen Gruppenalltag werden wir jedoch glücklicherweise nur sehr, sehr selten mit Hass und Mobbing konfrontiert – wir haben aber das Tabletop-Network auch von Anfang an als große Familie betrachtet. Unser Ziel war und ist es, Menschen miteinander zu verbinden, und wir sind der Ansicht, dass dies nur dann funktionieren kann, wenn man respektvoll, hilfsbereit, höflich und unterstützend miteinander umgeht. Das erwarten wir von uns selbst, das erwarten wir aber auch von unseren Mitgliedern. Daher ist eine unserer Gruppenregeln auch sehr eindeutig formuliert: „Stay flauschig!“.

Brettspiel trifft auf Modellbau. Die Spielbretter der TableTop-Spieler sind kreativ und individuell. Gespielt wird auf Basis von Regelwerken. Foto: Privat

Seit 2015 spendet ihr und eure Mitspieler zugunsten der Unterstützung von Kriminalitätsopfern. Fast 17.000 € sind schon zusammengekommen. Warum liegt euch besonders dieses Thema am Herzen?

Aktuell ist das Tabletop-Network über 6.000 Mitglieder stark und wir werden in absehbarer Zeit bei 7.000 Mitgliedern angekommen sein. Wer weiß, vielleicht auch früher oder später bei 10.000. Ist es da nicht geradezu eine moralische Verpflichtung, seinen Einfluss geltend zu machen und soziale Verantwortung zu übernehmen? Wir jedenfalls sehen das so.

Egal, wie man es dreht und wendet – in der Regel ist Tabletop die (spielerische) Darstellung eines Konflikts. Unser Grundgedanke war, dass wir zwar letzten Endes Krieg spielen, uns aber mit den realen Folgen davon nicht auseinander setzen müssen – da haben wir angesetzt und wollten Sensibilität für das Thema schaffen.

Also kreierte Aggy das „Tabletop-Network-ReRoll-Weekend“, bei dem die gesamte Community ein ganzes Wochenende lang bei jedem Spiel, in jedem Shop, Club oder Verein verpatzte Würfel erneut würfeln darf („reRollen“). Pro Würfel kostet das 50 Cent – nicht viel Geld pro Wurf, aber insgesamt sind da inzwischen knapp 17.000 Euro für den WEISSEN RING zusammengekommen. Das entspricht sage und schreibe 34.000 (!) neugewürfelten Würfeln und hat damit eine Dimension erreicht, mit der wir tatsächlich anfangs nicht gerechnet haben.

Neben dem offenkundigen Ergebnis, Kriminalitätsopfern finanziell helfen zu können zeigt das auch sehr eindringlich, dass getreu unseres ReRoll-Mottos „Jeder Würfel zählt!“ tatsächlich jeder einzelne neugeworfene Würfel zu diesem phantastischen Gesamtergebnis beigetragen hat. Nicht ein einzelner Spieler alleine hat dies vollbracht, sondern das gesamte Tabletop-Network als große Gemeinschaft, ja, als – auch wenn es klischeebehaftet ist – große Familie.

Und da sind wir doch schon ein wenig stolz drauf.

Und wir auch. Danke für das Gespräch und das Engagement!

Jeder Fehlwurf kann für 50 Cent wiederholt werden: über 17.000 € sind so im Laufe der Jahre zusammengekommen. Foto: Privat