WEISSER RING e. V.
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WEISSER RING: Medienberichterstattung kann traumatische Erlebnisse wieder aufleben lassen

Deutschlands größte Opferschutzorganisation weist darauf hin, dass Jahrestage von Straftaten oder Unglücken aber auch die mediale Berichterstattung darüber eine Retraumatisierung auslösen können. Der WEISSE RING steht allen Opfern, Angehörigen oder Zeugen auch Jahre nach der Tat mit Hilfsangeboten zur Verfügung.

Am 16. August 1988 überfielen Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner eine Bank im nordrhein-westfälischen Gladbeck. Im Anschluss nahmen sie Geiseln und flüchteten mit ihnen zwei Tage lang durch Deutschland und die Niederlande. Die Polizei gewährte den Kriminellen freien Abzug mitsamt der Geiseln und 300.000 D-Mark Lösegeld im Fluchtauto. 54 Stunden lang dauerte das Geiseldrama, bei dem Millionen Zuschauer per TV-Übertragung zusahen. Schlussendlich starben zwei Geiseln und ein Polizist, u.a. die 18-jährige Silke Bischoff und der 15-jährige Italiener Emanuele De Giorgi. Kein anderes Verbrechen steht so sehr für mediale Grenzüberschreitung und polizeiliches Versagen.

Die ARD zeigt nun einen zweiteiligen Spielfilm über die Geschehnisse im August 1988. Dieses Verbrechen der bundesdeutschen Nachkriegszeit rückt so rund 30 Jahre später - nur wenige Wochen nach der Freilassung Degwoskis aus dem Gefängnis, der zwischenzeitlich eine neue Identität bekommen hat- wieder in den Fokus. Rösner sitzt weiterhin in Haft und erhält Therapie. Der Zweiteiler fokussiert die persönliche Perspektive der Opfer, ihrer Angehörigen und weiterer Akteure des Geiseldramas und zeigt, welche Spuren traumatische Erlebnisse in den Biografien der Betroffenen hinterlassen.

Taten wie das Gladbecker Geiseldrama sind tiefgreifende Schockereignisse für die Opfer. Kriminalitätsopfer haben ein erhebliches Risiko, auch Jahrzehnte nach der Straftat an den Folgen einer Retraumatisierung zu erkranken. Sie können starke körperliche Reaktionen auslösen und zu emotionalen Überlastungen führen. Deutschlands größte Opferschutzorganisation weist darauf hin, dass Jahrestage von Straftaten oder Unglücken eine Retraumatisierung auslösen können und bietet Opfern auch Jahre nach der Tat Hilfe und Unterstützung an. Bianca Biwer, WR- Bundesgeschäftsführerin sagt dazu: „Wir wissen, dass eine Geiselnahme für Opfer ein traumatisches Erlebnis ist und dass alte Wunden jederzeit wieder aufbrechen können. Wir stehen allen Betroffenen deshalb mit Rat und Tat zur Seite."